Motivation

von am 22. Dezember 2016 in Allgemeines (Plön)

Im Jahr 2016 war unser Schwerpunktthema “Motivation”. Wir haben das Thema in vier Folgen unter verschiedenden Gesichtspunkten behandelt. Alle vier Folgen können Sie hier auf der Seite des Zeitungsnetzwerks Schleswig-Holstein nachlesen:

Teil 1

Unseres neues Schwerpunktthema lautet “Motivation”. Mit diesem Begriff werden wir uns in diesem und den folgenden Heften auseinandersetzen.
Warum gerade dieses Thema? Wir suchen als Schwerpunktthema immer etwas, das Psychiatrie-Erfahrene betrifft. In der Diskussion darüber haben wir festgestellt, dass Motivation jeden Menschen, besonders aber Psychiatrie-Erfahrene etwas angeht.
Was bedeutet Motivation überhaupt?
Motivation bedeutet „Triebkraft“ und bezeichnet das auf emotionaler und neuronaler (=gefühlsmäßiger und nervlicher, Anm. d. Red.) Aktivität beruhende Streben des Menschen nach Zielen oder wünschenswerten Zielobjekten. Die Gesamtheit der Beweg-gründe (Motive), die zur Handlungsbereitschaft führen, nennt man Motivation. Die Umsetzung von Motiven in Handlungen nennt man Volition oder Umsetzungskompetenz. (vgl. Wikipedia)
Motivation begleitet uns im Leben jeden Tag. Wir haben sie oder haben sie nicht, je nachdem, was gerade anliegt.
Es gibt sicherlich eine Menge von Dingen, zu denen man motiviert sein kann und zu denen man nicht motiviert sein kann.
Beispielsweise sind wir vielleicht motiviert, ins Kino zu gehen. Es kann auch sein, dass wir z.B. nicht motiviert sind, bei Dunkelheit hinaus zu gehen.
Damit begeben wir uns in ein Dilemma: Wie ins Kino, wenn es dunkel ist?
Zuerst wollen wir uns damit beschäftigen, was zu Motivation führt.
Wie oben schon angedeutet, hat Motivation etwas mit unseren Zielen zu tun. Und zwar solche Ziele, mit denen der Betreffende positive Erwartungen verbindet.
Bei vielen Menschen wirkt etwa Geld motivierend: Bekomme ich Geld dafür, bin ich bereit, etwas zu tun, das ich ohne Bezahlung evtl. nicht tun würde. Schließlich muss ich meinen Lebensunterhalt sichern! Oder ich will mir einfach mal etwas Schönes gönnen…
Oft ist man motiviert, Sachen zu tun, von denen man erwartet glücklich zu werden. Urlaub z.B. gibt Energie und wirkt sich auf diese Weise motivierend aus.
Wenn man Kraft hat und es einem gut geht, ist man nämlich motivierter.
Ausgeschlafen zu sein, verschafft auf diese Weise ebenfalls Motivation.
Nicht ohne Grund wird auf vielen Veranstaltungen und Festen etwas zum Essen und Trinken angeboten. Das wirkt nämlich motivierend, durch die Befriedigung von Bedürfnissen wie Hunger oder Genuss. Die Aussicht auf ein gutes Essen kann Wunder vollbringen!
Ähnlich führen positive Gedanken und Spaß zu Motivation. Viele wissen, dass Humor sehr belebend sein kann. Er kann auch zu Motivation führen.
Bekannt ist auch, dass Neugier die Menschen antreibt. Der Wunsch, etwas zu lernen, kann also auch motivierend sein.
Viele Menschen wünschen sich Freizeit. Daher führt die Aussicht, Freizeit für etwas zu bekommen, ebenso zu Motivation.
Wer kennt das nicht? Häufig wollen wir Erfolg haben. Wenn wir Erfolg erwarten, sind sie wir deshalb häufig auch motiviert, etwas zu tun.
Loben hilft auch oft Wunder. Es treibt uns an. Deshalb kann Loben auch motivieren.
Wie sieht es jetzt mit Kritik aus? Auch Kritik, wenn sie positiv geäußert wird, kann zu Motivation führen.
Wir alle haben so etwas schon erlebt. Wenn wir etwas alleine machen wollten, konnten wir uns nicht aufraffen. Haben aber andere Menschen uns dabei begleitet, fiel es uns schon viel leichter.
Wenn man etwas mit anderen Menschen zusammen macht, motiviert das nämlich oft sehr.
Wie lässt sich das alles jetzt auf den Punkt bringen?
Man kann sagen, etwas gut zu finden oder etwas für sinnvoll zu halten, kann uns motivieren.
Was raubt uns nun unsere Motivation?
Wir alle kennen es, dass wir unmotiviert sind, wenn wir uns niedergeschlagen und traurig fühlen.
Negative Emotionen wirken sich nämlich schlecht auf die Motivation aus.
Insbesondere führen Selbstzweifel und Kränkungen zu verminderter Motivation. Ähnlich verringert Müdigkeit und Kraftlosigkeit die Motivation.
Deswegen führen Krankheiten oft zu weniger Motivation.
Psychische Krankheiten oder Stress (= mehr Belastung, als zu verkraften ist) können das Gleiche bewirken.
Wir sind nicht motiviert, Dinge zu tun die sie für sinnlos oder schlecht halten.
Insbesondere sind wir nicht motiviert, etwas zu essen, das uns nicht schmeckt.
Wenn man sich für etwas engagiert, wird man das bestimmt nicht ohne irgend eine Motivation tun: Sei es, dass man etwas tun will, das man als sinnvolle Zeitgestaltung empfindet, sei es, dass man einem Missstand abhelfen möchte, sei es, dass man sich dadurch einfach besser fühlt…
Es gibt zahllose Gründe, sich zu engagieren.
Motivation ist sehr wichtig. Sie hilft einem dabei, voran zu kommen und seine Ziele zu erreichen. Ziele helfen einem dabei, ein sinnvolles Leben zu führen.
Motivation ist etwas, was uns Menschen ganz besonders auszeichnet.
Wir werden in den nächsten Ausgaben versuchen, das Thema unter verschiedenen Gesichtspunkten genauer zu bearbeiten:
In der nächsten Ausgabe wird es um Motivation zur Zielerreichung gehen, mit den Bezugspunkten zur Arbeit, den Beziehungen und zur Gesundheit.
Im dritten Teil geht es dann um Motiva-tion speziell bei psychischer Krankheit oder Sucht.
Und schließlich werden wir uns damit beschäftigen, was jede/r selbst für die eigene Motivation tun kann.
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Teil 2: Motivation und Arbeit

Im letzten Heft haben wir uns allgemein mit diesem Thema beschäftigt. In dieser und den nächsten Folgen wollen wir auf einzelne Gesichtspunkte genauer eingehen.
Niemand tut etwas, wenn er für sich dabei keinen Nutzen erkennt. Worin dieser Nutzen besteht, kann sehr unterschiedlich sein: Es gibt einen materiellen und einen nicht-materiellen Nutzen. Materiell ist z.B. die Bezahlung für Arbeit, eine Belohnung für Bemühungen oder Dinge, die ein anderes Bedürfnis befriedigen (Essen, Kleidung, etwas Schönes, Kostbares oder Besonderes, das einem Freude bereitet).
Nicht-materiell sind z. B. Anerkennung, Lob, Zuwendung, Spaß und alles, was sich positiv auf das persönliche Befinden auswirkt. Dazu gehört ausdrücklich auch alles, was für uns Sinn stiftet – sei es nun aus Gründen der Mitmenschlichkeit, der Weltanschauung oder was auch immer wir mit dem Begriff „Sinn“ verbinden.
Auf jeden Fall müssen wir gute Gründe haben, etwas zu tun oder zu lassen.
Wer regelmäßig Kriminalfilme im Fernsehen anschaut, weiß, dass die Ermittler dort immer nach einem „Motiv“ suchen. Warum tut jemand etwas, warum begeht jemand eine Tat?
Welches Ziel soll erreicht, welches Bedürfnis befriedigt werden?
Ein Gebiet, auf dem es sich lohnt, das Thema Motivation zu untersuchen, ist die Arbeit.
Manche Menschen leiden darunter, dass sie nicht motiviert sind, ihre Arbeit zu machen.
Eine aktuelle Umfrage belegt, dass einige Dinge „stimmen“ müssen, damit jemand gern zur Arbeit geht:
  • Der Arbeitsplatz soll ein festes und verlässliches Einkommen ermöglichen,
  • der Arbeitsplatz soll sicher sein,
  • Arbeitnehmer wollen das Gefühl haben, fair und anständig behandelt zu werden, und
  • die Arbeit soll möglichst Spaß machen.
Auch die Möglichkeit zur Weiterentwicklung eigener Fähigkeiten, Mitsprache und Gestaltung ist wichtig für die Motivation.
Trotzdem kann es manchmal sein, dass man sich selbst „in den Hintern“ treten muss, um in die Gänge zu kommen. Das hat dann vielleicht nichts mit einem Mangel an Motivation zu tun, sondern einfach mit der Tatsache, dass es bei jedem mal einen Tag der “Bocklosigkeit” gibt.
Gerade im Bereich der Arbeit gibt es seit langem Forschungen, die sich mit der Motivation und dem Erhalt der Gesundheit am Arbeitsplatz beschäftigen. Das Motiv dafür ist – auf Seiten der Arbeitgeber – sicher in erster Linie in der wirtschaftlichen Unternehmensführung begründet. Hohe Ausfallzeiten durch Krankheit des Personals schmälern die Produktivität ebenso, wie es lustloses Personal tut. Auch die Qualität der Produkte oder Dienstleistungen hängt entscheidend davon ab. Ein Hersteller von Wurstwaren beschriftet seine Verpackungen mit dem Satz: “Zufriedene Mitarbeiter machen bessere Wurst.” (Quelle: Rügenwalder Mühle, Pommersche Grobe Gutsleberwurst). Das sagt ja wohl alles…
Wissenschaftlich wird die Entstehung von Gesundheit (und Motivation) mit dem sperrigen Begriff “Salutogenese” umschrieben.
Der israelisch-amerikanische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky (1923–1994) prägte den Ausdruck in den 1980er Jahren als komplementären Begriff zu “Pathogenese” (die Entstehung von Krankheit).
Demnach hängt die seelische Gesundheit am Arbeitsplatz in erster Linie von dem Vorhandensein der folgenden Bedingungen ab:
  • Verstehbarkeit: Begreifen die Mitarbeitenden, was sie tun, welchen Beitrag sie zum Unternehmen leisten, welche Aufgaben sie haben?
  • Handhabbarkeit: Haben sie die nötigen Mittel, um ihre Arbeit zu schaffen? Gibt es Unterstützung wie z.B. gute Zusammenarbeit und Weiterbildung?
  • Bedeutsamkeit: Macht die Arbeit Sinn in den Augen der Mitarbeitenden? Hat sie eine Bedeutung, die Ihr Engagement lohnt? Sind Sie stolz darauf? Gibt es eine Zusammengehörigkeit im Betrieb?
Es liegt auf der Hand, dass diese Bedingungen auch für eine gute Motivation nützlich sind.
Dafür sollten Arbeitgeber und -nehmer also sorgen.
Aber nicht jeder kann etwas dafür tun.
Gerade in der heutigen Zeit, in der es zahlreiche Arbeitsverhältnisse gibt, die durch gestiegene Konkurrenz, Unsicherheit und der sog. “Arbeitsverdichtung” (frei übersetzt: Überforderung, Ausbeutung) gekennzeichnet sind, ist der Erhalt der Motivation in vielfältiger Weise gefährdet.
Was macht man da?
Sich selbst gut zureden nützt wenig, wenn man trotz Vollzeitjob kaum über die Runden kommt.
Wenn möglich, kann man sich neue Ziele setzen, um zu einer neuen Motivation zu kommen. Man kann beispielsweise die eigene Weiterentwicklung ins Auge fassen, indem man sich weiterbildet, spezialisiert oder sich außerhalb der Berufstätigkeit sinnvolle Betätigungsfelder sucht.
Was motiviert uns, die Redaktion, eigentlich, seit mittlerweile fast 18 Jahren, dieses Heft für Sie zu gestalten?
Ist es reine Gewohnheit. Schließlich ist ja auch das Festhalten an Bekanntem eine Triebfeder unseres Tuns.
Vielleicht aber gibt es andere gute Gründe:
Es ist schön etwas zu tun zu haben, es ist schön etwas zusammen zu tun als Gruppe, man lernt etwas und durch das Zeitungsnetzwerk haben wir überall Freunde.
Und manchmal bekommen wir sogar Kekse und Schokolade gespendet.
Das ist Grund genug!
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Teil 3: Motivation und Beziehungen

Der Mensch ist ein soziales Wesen.
Das bedeutet, dass er den Kontakt zu anderen Menschen braucht. Isolation schadet der Seele. Deshalb ist es unbedingt wichtig, dass Menschen förderliche und schöne soziale Kontakte haben.
Und darum gehören Beziehungen selbstverständlich zu unserem Schwerpunktthema Motivation.
Beziehungen stärken das Selbstbewusstsein und können einem Zufriedenheit und Stolz geben.
Natürlich ist hier nur von harmonischen Beziehungen die Rede.
Harmonie bedeutet, dass die Beziehungspartner miteinander zurecht kommen. Das heißt nicht, dass sie sich gleichen müssen.
Meinungsunterschiede, und auch mal zu streiten, ist völlig normal, selbst in einem Liebesverhältnis.
Wenn die Beziehung einem wichtig ist, setzt man sich auch mit dem Partner auseinander. So können sich beide weiter entwickeln.
Wir suchen nach passenden Beziehungen. Wer passt zu mir, und warum?
Mit wem ich gerne zusammen sein möchte, sagt mir mein eigenes Gefühl.
Oft merken wir recht schnell, in wessen Gegenwart wir uns wohl fühlen. Oder ob wir uns bei einer Begegnung wirklich freuen, den anderen zu sehen. Darüber müssen wir nicht nachdenken oder nach Gründen suchen.
Genauso spüren wir Abneigung oder Unwohlsein in der Gegenwart anderer, die uns den Kontakt begrenzen oder ganz vermeiden lassen. Begegnungen verursachen einen inneren Widerstand und den Impuls, sich auf einen Kontakt gar nicht erst einzulassen oder sich ganz zurück zu ziehen.
Auch das signalisiert uns als erstes unser Gefühl, ohne uns klare Begründungen zu geben.
Was motiviert uns?
Und wozu motiviert es?
Für wen würde ich etwas tun?
Eine formlose kleine Umfrage unter Leser/innen unseres Heftes ergab, dass fast alle keinerlei Vorstellung davon hatten, was Motivation im Hinblick auf Beziehungen bedeuten kann. Unter den Befragten gaben die meisten an, für andere gar nichts zu tun. Auch die Beziehung zu anderen sei kein Grund, sich einzusetzen. Okay, die Befragung war nicht repräsentativ, und die Befragten waren allesamt Singles…
Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man sich z.B. die Texte von Liebesliedern im Radio mal genauer anhört. Nehmen wir mal den Song “Ich lass für dich das Licht an” von der Band “Revolverheld”. Da heißt es:
“Ich lass für dich das Licht an, obwohl ‘s mir zu hell ist. Ich hör mit dir Platten, die ich nicht mag. Ich bin für dich leise, wenn du zu laut bist, renn’ für dich zum Kiosk, ob Nacht oder Tag. Ich lass für dich das Licht an, obwohl ‘s mir zu hell ist. Ich schaue mir Bands an, die ich nicht mag. Ich gehe mit dir in die schlimmsten Schnulzen. Ist mir alles egal, Hauptsache, du bist da!”
Jede Menge Motivation springt uns aus diesem Text an, Motivation bis zur Selbstaufgabe. Der Grund ist wohl ein Zustand schwerster Verliebtheit, einer Psychose nicht unähnlich.
Wie kommt man dahin? Und warum finden so viele Menschen das Lied gut?
Wir können nur vermuten, dass hier eine Sehnsucht die Triebfeder ist, etwa die Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit.
Das Motiv kennen wir alle, wenn wir nach
Menschen suchen, die unsere Interessen teilen, mit denen wir uns austauschen können, denen wir unser Vertrauen schenken können, die uns annehmen, wie wir sind.
Aber ein so hohes Maß an Selbstaufgabe kann auf die Dauer nicht gut gehen, denn zugleich hat ja jeder Mensch auch den Wunsch, seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln und seine Einzigartigkeit zu bewahren und zu schützen.
Das gilt für alle Beziehungen, egal, wie intensiv sie sind: Im Bekannten- und Freundeskreis, unter Kollegen und Verwandten, besonders in einer Partnerschaft.
Wie die Nähe, brauchen wir genau so unsere Freiheit und die Anerkennung dessen, was unsere Persönlichkeit ausmacht.
So betrachtet, ist die Gestaltung von Beziehungen eine Gratwanderung, bei der auf der einen Seite unsere Sehnsucht nach Nähe steht, auf der anderen die Notwendigkeit, unseren eigenen Wesenskern in deutlicher Abgrenzung zu den anderen zu bewahren.
Sich auf eine Beziehung einzulassen und sich für andere zu interessieren, ohne sich dabei bis zur Unkenntlichkeit verstellen zu müssen, bedeutet insofern ein Wagnis. Die Gestaltung von Beziehungen ist eine Arbeit, bei der die Gemeinsamkeiten gesucht und die Gegensätze ausgehalten werden müssen.
Erst nach langer Zeit stellt sich vielleicht ein gegenseitiges Vertrauen ein, das diese Unsicherheit vermindert. Wenn man weiß, woran man bei dem anderen ist, kann man sich sicherer fühlen.
Wer Freundlichkeit und Toleranz erlebt, ohne dem Druck ausgesetzt zu werden, sich möglichst rasch und umfassend zu ändern, bekommt Freiraum, sich selbst zu entwickeln und die eigenen Beziehungen aktiv zu gestalten.
Vielleicht entwickelt sich gerade dann die Motivation, dem eigenen Gefühl mehr zu trauen und entspannt und neugierig darauf zu achten, was in den eigenen Beziehungen stärkt und stützt.
Vielleicht fängt man ja auch an, ein wenig wählerischer zu werden bei der Frage, mit wem man etwas zu tun haben möchte und mit wem besser nicht.
Hier sind wir wieder zurück bei unserem Schwerpunktthema “Motivation”: Unser Antrieb, für Beziehungen etwas einzusetzen, entscheidet sich wohl am ehesten an dem Gefühl, daraus etwas für uns selbst heraus ziehen zu können.
Etwas, das uns bestärkt und fördert, uns Anerkennung und Sicherheit gibt, Anregung zur Auseinandersetzung mit unseren Fragen und die Freiheit, so zu sein, wie wir selbst sein möchten.
Beziehungen, die das ermöglichen, ziehen uns an und motivieren uns, Dinge zu tun, die für uns allein nicht sinnvoll erscheinen.
Wie wir wissen, stehen dem aber oft Befürchtungen und Ängste entgegen. Beziehungen bedeuten auch, das Wagnis des Vertrauens und das Risiko der Enttäuschung eingehen zu müssen. Wer häufig Kränkungen in den eigenen Beziehungen erfahren hat, tut sich oft schwer damit, an die Stelle der eigenen Ängste das Vertrauen zu setzen. Aber eine andere Möglichkeit gibt es nicht.
Zum Abschluss dieses Teils unseres Schwerpunktthemas möchten wir deshalb unsere Leser/innen motivieren, die Hoffnung niemals aufzugeben und immer wieder von Neuem zu versuchen, in die eigenen Beziehungen Mut und Energie zu investieren.
Wir sind sicher: Es lohnt sich!
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Teil 4: Motivation und Gesundheit

In den vorherigen Folgen unseres Schwerpunktthemas “Motivation” haben wir uns mit den Zusammenhängen von Motivation und Arbeit sowie Beziehungen auseinander gesetzt. Das war gar nicht so einfach. Es ist nämlich in höchstem Maße subjektiv, was Menschen zu Einsichten und Aktivitäten veranlasst.
Was für den einen gute Gründe sind, einen Antrieb zu entwickeln und sich einzusetzen, bedeutet für den anderen unter Umständen gar nichts.
Gerade auch im Bereich der Gesundheit gibt es viele umstrittene Sachverhalte.
Einer davon ist der Gesundheitsbegriff selbst.
“Mens sana in corpore sano” heißt ein Zitat aus dem alten Rom.
Übersetzt bedeutet das “Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper.”
Das bezeichnet ein damaliges Ideal, nach dem es zu streben galt – oder auch eine Voraussetzung, die erfüllt sein sollte.
Wer körperlich nicht gesund ist, kann auch nicht geistig oder seelisch gesund sein? Wer im Kopf nicht funktioniert, kann es auch körperlich nicht?
Sicherlich gibt es hier Gegenbeispiele. Beispielsweise ist der unter einer Erkrankung des Nervensystems leidende Physiker Stephen Hawking körperlich sehr krank. Er kann mittlerweile nur noch ein Auge bewegen. Hawking hat aber wichtige physikalische Theorien entwickelt und erfolgreiche Bücher geschrieben. Wir halten es für vorstellbar, dass seine fortwährende geistige Arbeit der Grund sein kann, dass er überhaupt noch am Leben ist. Denn auch zum Leben ist Motivation nötig.
Motivation zu haben, sei gesund, keine Motivation zu haben, sei ungesund, ließe sich auch behaupten.
Fachleute für psychische Krankheiten beispielsweise ordnen einem Mangel an Motivation oft einen Krankheitswert zu.
Aber ganz so einfach ist das nicht.
Motivation bedeutet nicht, etwas zu tun, weil man es muss, sondern gute Gründe und einen Antrieb dafür zu haben.
Wir würden deshalb auch nicht sagen, dass Süchtige motiviert sind, ihrer Sucht nachzugehen.
Sucht kommt von “siech” (= krank, leidend). Süchtige leiden also an etwas. Die Sucht ist ein Ausdruck dafür. Oder der Versuch, das Leidensgefühl zu mindern. Dass das nur zu weiterem Elend führt, weiß jeder – aber es den Betroffenen klar zu machen, ist oft unmöglich.
Gesundheit wäre ein guter Grund, sich zu motivieren. Das finden wir zumindest.
Aber das Gefühl, gesund zu sein, bemisst sich nicht nach dem, was Wissenschaftler und Ärzte als Messwerte in ihren Labors ermitteln können. Hier geht es nämlich “nur” um Normen und Leistungswerte, nicht um das persönliche Gefühl.
Das persönliche Gefühl für Gesundheit lässt sich vielleicht am ehesten daran messen, ob ein Mensch sich für gesund und ausreichend belastbar hält, oder ob er einen Leidensdruck verspürt.
Wer sich den alltäglichen Anforderungen gewachsen fühlt und vielleicht in der Lage ist, persönliche Ziele zu verfolgen, wird sich wohl eher gesund als krank fühlen, auch wenn Untersuchungsbefunde wo-möglich etwas anderes aussagen mögen. Hier zeigt sich deutlich, wie subjektiv der Gesundheitsbegriff ist.
So verwundert es kaum, dass Hausärzte mit ihrem gebetsmühlenartig vorgetragenen Rat, das Rauchen einzustellen, sich gesünder zu ernähren und mehr Sport zu treiben, bei ihren Patienten regelmäßig auf taube Ohren stoßen…
Manchmal würden Patienten auch gerne dem Rat ihres Arztes folgen. Allerdings fehlt es ihnen einfach die Motivation. Viele reden hier vom „inneren Schweinehund“.
Bedeutet das nun, dass die Patienten nicht genügend überzeugt sind? Fehlt es ihnen an Krankheitseinsicht? Leiden sie nicht genug, um ihren Lebenswandel zu verändern?
Wo soll die Motivation her kommen?
Der Begriff Gesundheit ist so abstrakt, dass viele Menschen nicht motiviert sind, gesundheitsbewusst zu leben.
Motivation zur Gesundheit hängt vielleicht am ehesten damit zusammen, dass man ein praktischen Nutzen verspürt.
Langjährige Gewohnheiten sind nicht so einfach abzustellen. Aller Anfang ist schwer: Man muss sich aufraffen!
Wenn sich Erfolge einstellen, steigt die Motivation, etwas für die eigene Gesundheit zu tun.
Aber bis es soweit ist, liegt oftmals ein steiniger Weg vor einem.
Wir wollen unseren Lesern aber Mut machen.
Durch Erfolgserlebnisse kann man nämlich die eigene Motivation steigern. Das gilt auch für den so wichtigen Bereich Gesundheit.
Wenn man vielleicht erst einmal seine Ernährung umgestellt hat und damit Erfolge erzielt hat, steigt die Motivation, sich gesund zu ernähren bestimmt.
Wer spürt, dass sich das Wohlbefinden im Laufe der Zeit verbessert, wird das als Erfolg wahrnehmen und seine Bemühungen weiter verfolgen können. Nach geraumer Zeit sind dann die alten Gewohnheiten durch neue abgelöst worden und es macht gar keine Mühe mehr, gesund zu leben.
Wer Übergewicht reduziert, ist körperlich belastbarer, hat weniger Gelenkschmerzen und kriegt besser Luft.
Aber bis es so weit ist, sind manche Hindernisse zu überwinden und vielleicht auch Rückschläge zu verkraften.
Das trifft besonders auch auf die seelische Gesundheit zu. Wer von seelischen Krankheiten betroffen ist, kämpft oft gegen große Ängste und ein tiefes Misstrauen an, das nicht einfach durch gute Vorsätze überwunden werden kann.
Motivation, in Beziehungen Vertrauen zu riskieren, neue Handlungsweisen zu erproben oder die Weichen des eigenen Lebens vielleicht radikal umzustellen, kann nur in Gemeinschaft und mit der Unterstützung anderer entstehen.
So betrachtet, gibt es oft auch gute Gründe alles so zu lassen, wie es ist.
Aber vielleicht findet sich die Motivation, hier und da doch einen kleinen Versuch zu machen und – immer mal wieder – festzustellen, dass es sich lohnt!
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