Inklusion – kaum begonnen, schon am Ende?

von am 20. November 2014 in Der dicke Hund (Plön), Soziales (Plön)

Inklusion – kaum begonnen, schon am Ende?

Inklusion – kaum begonnen, schon am Ende?
Das fragt sich unser Leser Robert F. (Name von der Redaktion geändert) und
bezieht sich dabei auf die aktuelle Diskussion um die Beschulung von Kindern mit Behinderungen in Regelschulen.
Vor einiger Zeit wurde in den Medien berichtet, dass Lehrer/innen an den Regelschulen durch die Unterrichtung behinderter Schüler/innen überfordert seien, dann war zu erfahren, dass es zu wenige und oft auch nicht ausreichend qualifizierte Schulbegleiter/innen für diese Kinder gebe, und schließlich entbrannte ein Streit zwischen der Bildungsministerin Waltraud „Wara“ Wende und den Lehrerverbänden, ob Förderschulen überflüssig und stigmatisierend seien.
Alles gut und schön, findet Robert F., der als sich Angehöriger eines Erwachsenen mit psychischer Behinderung fragt, ob es sich beim Inklusionsbegriff um eine ähnliche Modeerscheinung handele, wie er es schon bei „Empowerment“ (in Etwa zu übersetzen mit „Selbstbemächtigung“, Anm. d. Red.), „Salutogenese“ (= Gesundheitsentstehung, Anm. d. Red.) oder dem „persönlichen Budget“ in der Eingliederungshilfe erlebt hat.

„Fällt eigentlich niemandem auf, dass die Umsetzung aller dieser Ziele unmöglich ist, so lange das Ziel, möglichst viel an Kosten zu sparen, die dafür notwendigen Entscheidungen verhindert?“ fragt Robert F. zurecht. „Das Behindertengleichstellungsgesetz, die UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen oder die Wunsch und Wahlrechte, wie sie im Sozialgesetzbuch geschrieben stehen, existieren in Wirklichkeit doch nur auf dem Papier, jedenfalls für Menschen mit psychischen Behinderungen. Ist ein Recht, in dessen Genuss man überhaupt nicht kommt, überhaupt ein Recht?“
Sehr viel Zorn und Resignation können wir da bemerken – ein Grund, die Sichtweise von Herrn F. hier als „dicken Hund“ zu veröffentlichen.

„Eine Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft ist doch überhaupt unmöglich, so lange jemand durch seine Behinderung zu lebenslanger Armut verurteilt ist, und so lange notwendige Unterstützung und Begleitung von den zuständigen Stellen nicht finanziert wird. Und überhaupt: Warum gibt es keine Inklusionsfachdienste, wenn Inklusion doch ein so wichtiges Ziel sein soll?“ macht sich F. weiter Luft.

Nun, zugegeben: Bei den Themen, die Herr F. anspricht, steht vieles noch am Anfang. Viele Entwicklungen sind erst eingeleitet, und die notwendigen Wege müssen noch gefunden und gegangen werden. Insofern ist es noch zu früh, das ernsthafte Bemühen aller, die daran arbeiten, anzuzweifeln. Und ein wenig mehr Optimismus kann sicher auch nicht schaden, finden wir.
Aber angesichts der aktuellen Diskussionen auch einmal mahnend auf andere wunde Punkte hinzuweisen, halten wir ebenfalls für notwendig und richtig.
(Red.)
Artikel im MIT 2/2014

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