Eltern Erziehung Dressur-Abricht

von am 2. September 2017 in Aus unserem Archiv

Eltern Erziehung Dressur-Abricht

Realität – Ideal

Erziehung, was ist das eigentlich? Erzogen werden wir alle. Wenn es diesmal nicht so gut geklappt hat, spricht man z.Bsp. von einem verzogenen Gör, weil es eigenwillig ist, was Klassischen Erziehungsidealen wohl sehr widerspricht.

Das Ideal ist das demütige, brave, folgsame, angepasste Kind ohne eigenen Willen; leicht zu handhaben, pflegeleicht, gefügig, wie ein gewaltsam abgerichteter Hund, wobei dieser häufig sogar noch besser als das Kind behandelt wird.

Die sog. „Schwarze Pädagogik“ befürwortet das gewaltsame Zurecht-biegen des Kindes, seine Abrichtung und Dressur, denn es ist ja alles nur zu seinem Besten! Es soll gefügig und gehorsam sein, parieren, aufs Wort hören. Es ist der Spielball der Launen des Erwachsenen.

Autorität dient als Selbstzweck, wehe dem, der ihn zu hinterfragen wagt!

Nach der „Schwarzen Pädagogik“ ist der Mensch von Geburt an abgrundtief böse, gemein und hinterhältig. Dies muss weg, wozu beinahe jedes Mittel recht ist: von der „körperlichen Züchtigung“ bis zur „seelischen Grausamkeit“.

Mit Gewalt soll das „Gute“ im Menschen „geweckt“ werden, mit einer Kunst, einer Technik, genannt „Erziehung“.

Dies hält kein Mensch auf Dauer aus, ohne sich „unschuldige Sündenböcke“ suchen zu müssen, die er weitertreten kann – am besten ohne Gegenwehr des Opfers. Jeder tritt einen Schwächeren, bis hin zum Kind, dem schwächsten in der Hierarchie, völlig wehrlos und seinen Erziehern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Aus erzogenen Kindern werden aber keine mündigen Bürger, wie auch?, sondern nur brav ihren Herren hinterhertrottende Schäfchen in der Herde.

 

Eine Demokratie braucht aber den sich selbstverantwortenden Einzelmenschen, alles andere sind Relikte aus grauer Vorzeit.

Wer von anderen Menschen Gehorsam verlangt, hat es nötig, da er selber ein „Arschkriecher erster Güte“ ist, der z.Bsp. vor seinem Chef Buckelt und im Privatleben seine Familie tyrannisiert, statt seinem Vorgesetzten mal die Meinung zu sagen, als Verursacher der eigentlichen Misere.

Das humanistische Bildungsideal betrachtet den  E i n z e l – Menschen und zwar als gut!

Jeder Mensch hat Begabungen für irgend Etwas, eine besondere Befähigung auf einem Gebiet, was immer es auch sein mag! Dies gilt es zu entdecken und zu fördern, d.h. den Menschen so zu nehmen wie er ist!

 

(Ein Essay von Michael Steenbock)

 

 

 

Aus unserem Archiv: (P)feiler-Ausgabe Nr. 4 vom Oktober 1990

Der Zeitung Für Und Wider Den Alltäglichen Wahnsinn.

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