Alternative Heilmethoden

von am 1. Oktober 2015 in Wissenswertes (Plön)

“Alternative Heilmethoden”  war in 4 MIT-Heften unser Schwerpunktthema. Die Anregung dazu kam aus unserem Leserkreis. Ein schwieriges und umfangreiches Thema, das in einem so begrenzten Medium wie unserem kleinen Heft kaum angemessen bearbeitet werden kann! Wir haben es trotzdem versucht.

Hier auf der Homepage des Zeitungsnetzwerks Schleswig-Holstein veröffentlichen wir alle 4 Teile und stellen den Beitrag auch als PDF zum Download zur Verfügung. Klicken Sie dazu auf den Link nach diesem Absatz!

Alternative Heilmethoden_komplett

Teil 1
Im Jahr 2014 beginnen wir – auf Wunsch unserer Leserschaft – mit dem Thema „Alternative Heilmethoden“. Das ist für uns überhaupt nicht einfach, denn wir in der Redaktion sind weder Mediziner, noch Heilpraktiker. So müssen wir uns in ein Thema einarbeiten, das uns weitgehend fremd ist. OK, das werden wir versuchen.
Menschen, die nach alternativen Heilmethoden fragen, haben oft zwei Gemeinsamkeiten: Einerseits ein Misstrauen gegen die Schulmedizin, andererseits gesundheitliche Probleme, die durch bisherige Heilungsmethoden nicht behoben werden konnten.
Bei einer Vielzahl der Leser/innen unseres Heftes (soweit sie uns persönlich bekannt sind) gibt es weitere interessante Phänomene zu beobachten, auf die wir eingehen müssen, selbst wenn das provozierend wirkt. Aber so ist es gar nicht gemeint!
Wir wollen auch – auf gar keinen Fall! – Gesundheitsprobleme verharmlosen oder den bestehenden Leidensdruck verhöhnen – nichts liegt uns ferner als das! Aber wir wollen zum Nachdenken und zur Selbstprüfung anregen.
Folgende Phänomene haben wir beobachtet: Viele unserer Leserinnen und Leser beklagen gesundheitliche Beeinträchtigungen, die möglicherweise im Zusammenhang mit einer wenig oder überhaupt nicht gesundheitsbewussten Lebensweise stehen.
Beispiele gefällig?
1. Ein junger Mensch klagt über Schlaflosigkeit des Nachts, dafür starke Müdigkeit tagsüber. Kein Medikament hilft dagegen. So verbringt er notgedrungen die Nächte vor dem Computer, chattet oder spielt online, bevor er gegen Morgen erschöpft auf der Couch zusammensinkt und bis in den Nachmittag hinein einen wenig erholsamen Schlaf findet.
2. Eine ältere Person wird wegen schlimmer Asthmaanfälle mit hochwirksamen Inhalationen behandelt. Das muss auch sein, denn die 40 Zigaretten am Tag werden dringend gebraucht und können auch nicht reduziert werden.
3. Jemand klagt über ständige Müdigkeit und Abgeschlagenheit, fühlt sich körperlich überhaupt nicht belastbar und setzt wegen des daraus folgenden Bewegungsmangels reichlich Hüftspeck an. Wenn wir erfahren, dass die Ernährung dieses Menschen ganz überwiegend aus Kohlehydraten und Fetten besteht, müssen wir einen Zusammenhang zu den beklagten Beschwerden vermuten.
4. Ein Mann gibt an, wegen seiner schweren Depressionen zum täglichen Trinken von Alkohol gezwungen zu sein. Er würde zudem die meiste Zeit im abgedunkelten Zimmer hocken, weil er weder Tageslicht, noch andere Menschen ertrage. Wer, wie wir, weiß, dass Alkohol und Dunkelheit die Ursache für Niedergeschlagenheit und Leistungsverlust sein kann, muss hier fragen: Womit hat das alles angefangen?
Weitere Beispiele sind leicht zu finden, jede/r findet sie in der eigenen Umgebung, manchmal auch bei sich selbst.
Wie schon gesagt: Wir wollen niemandem die „Schuld“ an den eigenen Beschwerden zuweisen oder uns gar darüber lustig machen, jedoch müssen wir an dieser Stelle darauf hinweisen, dass viele Krankheiten die Folge einer ungesunden Lebensweise sind und durch Änderungen des Verhaltens oder der Gewohnheiten gebessert werden könnten!
Was zu einer gesunden Lebensweise gehört, weiß im Grunde jeder Mensch, bzw. kann man sich leicht darüber informieren.
Wir nennen trotzdem ein paar Beispiele:
Eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse, dafür wenig Zucker und Fette, verteilt auf möglichst viele kleine Mahlzeiten am Tag, verhindert oder bessert die meisten Beschwerden, die durch Fehlernährung verursacht werden.
Ein maßvoller Umgang mit Genussmitteln – besser noch der vollständige Verzicht auf Nikotin und Alkohol – steigert die Leistungsfähigkeit und das Selbstbewusstsein und vermindert das Risiko langfristiger Erkrankungen.
Regelmäßige Bewegung an frischer Luft, mindestens 30 Minuten am Tag, besser noch: Sportliche Betätigung oder körperliche Arbeit (z.B. im Garten), setzt Stoffwechsel und Kreislauf in Gang und bewirkt durch die Zufuhr an Sauerstoff und Licht die Freisetzung körpereigener Stoffe eine Steigerung des Wohlbefindens, sowie der körperlichen und seelischen Belastbarkeit.
Eine gute Schlafhygiene und angemessene, gleich bleibende Ruhebedingungen führen zu einer wirklichen nächtlichen Erholung und höherem Wohlbefinden tagsüber. Wussten Sie zum Beispiel, dass der Schlaf durch die beleuchtete Anzeige des Radioweckers oder das schwache Licht der LED-Dioden am Computer bereits so stark beeinträchtigt wird, dass man sich morgens wie zerschlagen fühlen kann?
Diese Beispiele können nicht nur dazu dienen, die eigene Gesundheit zu fördern und zu halten, sondern sind auch geeignet, erste Symptome bestimmter Krankheiten zu bessern.
Unsere Leser interessieren sich – und das völlig zurecht – besonders für alternative Heilmethoden bei psychischen Krankheiten.
Bevor wir näher darauf eingehen, erlauben wir uns zunächst, darauf hin zu weisen, was der seelischen Gesundheit förderlich ist. Stabilisierend wirken unter anderem:
In der eigene Wohnung Ordnung und Sauberkeit zu halten,
eine ausreichende Anzahl förderlicher sozialer Kontakte zu besitzen,
über ein erfüllendes und Sinn stiftendes Betätigungsfeld zu verfügen und
außerdem eine regelmäßige Tages- und Wochenstruktur zu haben.
Das zusammen kann schon in einem Maß stabilisierend wirken, wie es kein Medikament vermag.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche Möglichkeiten, seelischen Druck abzubauen, etwa durch Bewegung, Musik, die freie Natur, geeignete Rituale usw. Viele davon werden Ihnen bekannt sein, auch wenn Sie hin und wieder nicht daran denken, sie anzuwenden.
Unser Fazit für den ersten Teil unseres Schwerpunktthemas lautet also: Sorgen Sie zunächst dafür, dass Ihre Krankheit nicht durch eine Lebensweise gefördert wird, die zusätzliche Symptome hervor ruft! Tauschen Sie sich mit anderen aus, greifen Sie auf deren und Ihre eigenen Erfahrungen zurück und versuchen Sie, für sich selbst eine angemessene Balance in Ihrem Leben herzustellen.
Sehen Sie dann, welche Symptome noch bleiben und notwendig medikamentös behandelt werden müssen – so wenig wie möglich, aber auch so viel wie nötig.

Teil 2
Hier im MIT über alternative Heilmethoden informiert zu werden, war ein Wunsch aus Kreisen unserer Leser/innen. Alternative Heilmethoden für seelische Leiden sind damit hauptsächlich gemeint, mutmaßen wir.
Denn uns sind zahlreiche Beschwerden über unerwünschte Wirkungen neuroleptischer Medikamente bekannt, außerdem kennen wir viel Resignation und die Klage unserer Leser/ innen, dass ihr seelisches Leiden kaum gebessert werden könne und praktisch unheilbar sei.
Da ist es verständlich, dass nach weiteren Möglichkeiten gesucht wird – manchmal auch einfach nur nach ein wenig Hoffnung.
Das ist bestimmt ein Grund, warum der Markt der Anbieter alternativer Heilmethoden fast unüberschaubar groß ist und die Grenzen zwischen bewährten Verfahren und Scharlatanerie fließend sind. (Anm.: Ein Scharlatan ist laut DUDEN „jemand, der bestimmte Fähigkeiten vortäuscht und andere damit hinters Licht führt“, Scharlatanerie meint also das Verhalten des Scharlatans)
Zwei Beispiele: Verfahren jenseits der Schulmedizin, die nachgewiesene positive Wirkungen haben (etwa Akupunktur, Yoga, oder verschiedene Entspannungsverfahren), werden von einzelnen Krankenkassen bezahlt. Andere Methoden, etwa das Besprechen von Warzen oder das Pendeln, werden so stark angezweifelt, dass eine Finanzierung durch die Krankenkasse nicht in Betracht kommt.
Trotzdem gibt es ungeheuer viele Menschen, die in ihrer Not alles Erdenkliche versuchen und dafür hohe finanzielle Belastungen in Kauf nehmen, in der Hoffnung, so Entlastung zu finden.
Die Alternativmedizin (auch Komplementärmedizin genannt) zeichnet sich häufig dadurch aus, dass die Entdecker alternativer Heilmethoden sich häufig auf „Erfahrungswissen“ berufen, für welches es entweder kein wissenschaftliches Nachweisverfahren für die Wirksamkeit gibt, oder eine Überprüfung der Wirksamkeit wegen einer kritischen Haltung gegenüber der Schulmedizin sogar ausdrücklich abgelehnt wird.
Häufig wird auch ein so genannter „ganzheitlicher“ Ansatz vertreten, also ein Verständnis davon, dass der Mensch aus Körper, Seele und Geist besteht, die zusammen wirken und sich gegenseitig beeinflussen, was in der Behandlung berücksichtigt werden muss.
Diese Sicht wird inzwischen auch in der Schulmedizin berücksichtigt, wenngleich viel zu wenig.
Insofern ist es – gerade für uns als Laien – sehr schwer, hier für Sie darzustellen, welche Methode gerade für Ihr Problem Erfolg verspricht. Wir beschränken uns deshalb darauf, Ihnen hier einen (groben) Überblick über das zu geben, was sich im engen Rahmen dieses Heftes zusammen fassen lässt.
Unter dem Begriff „Alternativmedizin“ lassen sich verschiedene Gruppen methodisch unterscheiden:
1. Verfahren, bei denen Naturprodukte wie Kräuter, Nahrungsmittel, Vitamine oder Diäten empfohlen werden.
2. Verfahren, die auf die Einheit von Körper und Geist abzielen und deren Wechselwirkungen nutzen wollen. Dazu gehören Methoden wie Yoga, Tai-Chi, Meditation, Entspannungstechniken und Körpertherapien wie Feldenkrais oder Alexandertechnik. Einige dieser Verfahren werden auch im Rahmen der Psychotherapie als Methoden genutzt.
3. Manuelle Verfahren, wie Osteopathie, Chirotherapie, Massage.
4. Andere unterschiedliche Verfahren. In weitesten Sinn gehören auch Verfahren, die mit „Energiefeldern“ arbeiten, zu den alternativen Methoden. Dazu zählen Methoden wie Reiki und Therapeutic Touch und auch Methoden, die elektromagnetische Felder auf eine unkonventionelle, wissenschaftlich nicht belegte Weise zur Heilung nutzen.
Manchmal werden auch mehrere Verfahren zusammen genutzt. Deshalb sind sie schwer einzuordnen.
Dazu gehören in der traditionellen europäischen Medizin zum Beispiel die Homöopathie und Naturheilverfahren, aus anderen Kulturkreisen (vielfach östlichen) gehören zum Beispiel die Traditionelle chinesische Medizin (Akupunktur), die Tibetische Medizin und Ayurveda dazu.
Wer sich umfassend informieren will, kommt nicht umhin, sich mit der reichlich vorhandenen Literatur einzudecken und selbst zu entscheiden, was er/ sie glauben will. Wir empfehlen an dieser Stelle wärmstens das Antiquariat Buchling in der Alten Meierei in Plön!

Bleibt die entscheidende Frage: Was hilft, was nicht? Wir wissen es nicht!
Unbestritten ist, dass es in der Medizin kein 100%, aber auch kein 0% gibt.
Das heißt: Keine auch noch so erprobte medizinische Methode garantiert den Heilerfolg. Es gibt nur Wahrscheinlichkeiten; manche sind höher, andere geringer.
Das ist der Grund, weshalb Ärzte und Therapeuten immer wieder frustriert auf „Therapieresistenzen“ oder „abnorme Krankheitsverläufe“ stoßen, während manche Homöopathen mit Hilfe kleiner Zuckerkügelchen (Globuli), die geringste Mengen beispielsweise von zerstoßenen Spinnen (Linyphia triangularis) oder Leopardenurin (Panthera pardus) enthalten, von ihren Patienten eine subjektive Steigerung ihres Wohlbefindens berichtet bekommen.
Wie kann das sein?
Nun, wir können nur vermuten: Da unter den Nutzer/innen der Alternativmedizin vielfach die Aufmerksamkeit und Zuwendung, das ehrliche Interesse und die Zeit geschätzt wird, die sich die Therapeuten für sie nehmen, wird wohl ein zwischenmenschlicher Faktor dabei sein, wenn sich das Wohlbefinden verändert.
Das ist übrigens nicht anders als bei Ärzten oder Apothekern. Diese genießen, wenn sie bei ihren Kunden auf der menschlichen Ebene gut ankommen, bald einen guten Ruf und haben entsprechenden Zulauf.
Daraus könnten wir schließen, was ein Arzt einmal so formulierte: „Der Mensch sucht den Menschen, nicht die Methode.“ Oder, wie es in der Bibel an mehreren Stellen zum Ende einer Heilungsgeschichte steht: „Dein Glaube hat dir geholfen!“
Und da ist er wieder: Der Zusammenhang zwischen seelischem und körperlichem Wohlbefinden, die Einheit zwischen Körper, Seele und Geist, der Gesichtspunkt der Ganzheitlichkeit.
Der Mensch ist bekanntlich mehr als die Summe seiner Teile. Und wie unterschiedlich Menschen „ticken“, erfahren wir täglich in den Gesprächen, die wir führen, und den darin vorkommenden zahlreichen Missverständnissen.
Die komplexe Art der Verarbeitung, die Seele und Geist bei uns allen an den Tag legen, führt dazu, dass eine seelische Erkrankung weniger einfach zu behandeln ist, als zum Beispiel eine Verstopfung oder ein kariöser Zahn.

Teil 3
In den vergangenen beiden Folgen unseres aktuellen Schwerpunktthemas haben wir versucht, grob darzustellen, was eigentlich bei Heilmethoden unter “alternativ” zu verstehen ist.
Als Ergebnis können wir vielleicht festhalten, dass wir damit Methoden meinen, die überwiegend wissenschaftlich angezweifelt werden und deren Bezahlung deshalb auch nicht von den Krankenkassen übernommen wird.
Die Wissenschaft orientiert sich in ihrer Forschung an der beweisbaren Nützlichkeit von Stoffen, Verfahren und Methoden. Dafür erhebt sie Statistiken und fertigt Studien an.
Je höher die Wahrscheinlichkeit ist, dass etwas in der gewünschten Weise wirksam ist, umso eher wird es auch wissenschaftliche Anerkennung finden.
Zum Beispiel ist es unstrittig, dass ein gebrochener Knochen in die richtige Lage gebracht und ruhig gestellt werden muss, damit er wieder zusammen wachsen und später seine stützende Aufgabe wieder leisten kann. Ebenfalls gibt es klare Erfahrungswerte, wie das zu bewerkstelligen ist und wie lange es ungefähr dauern wird.
Solche Erkenntnisse gibt es für sehr viele Erkrankungen, und entsprechend sieht dann die Behandlung aus.
Bei manchen Leiden ist aber die Behandlung nicht so einfach. Die statistische Heilungsaussicht ist weniger klar.
Das liegt einerseits daran, dass es in der Medizin keine 100% ige Garantie für den Erfolg einer Behandlung gibt.
Andererseits gibt es auch Krankheiten, die sich nicht restlos erforschen lassen und daher auch nicht so einfach zu behandeln sind.
Häufig spielen dabei nicht nur körperliche Voraussetzungen der Betroffenen eine Rolle, sondern auch seelische Einflüsse.
Das ist zum Beispiel bei psychosomatischen Krankheiten der Fall. Das sind Leiden, bei denen sich für körperliche Beschwerden keine organische Ursache finden lässt. Man sucht dann nach seelischen Einflüssen, die zu körperlichen Reaktionen geführt haben könnten.
Der Volksmund gibt das schon seit langer Zeit treffend wieder: Etwas schlägt mir auf den Magen, geht mir an die Nieren, lässt mir das Herz bis zum Hals klopfen, mir läuft eine Laus über die Leber usw. usw. Das sind Hinweise darauf, wie sich seelische Einflüsse am Körper bemerkbar machen können.
Es ist schon vorgekommen, dass Ärzte in ihrer Ratlosigkeit, wie sie die Beschwerden ihrer Patient/innen lindern könnten, diesen so genannte “Placebos” verabreicht haben.
Das sind Präparate, die keinen Wirkstoff enthalten, sondern nur aus einer Trägersubstanz und evtl. einem Geschmacksstoff bestehen. Placebo kommt aus dem Lateinischen und heißt wörtlich “Ich werde gefallen.”
Und tatsächlich war in einzelnen Fällen mit solchen Leerpräparaten eine (leichte) Besserung zu erzielen. Warum nur?
Wahrscheinlich aus dem gleichen Grund, weshalb Menschen nach einen Besuch beim Heilpraktiker gut auf homöopathische Mittel ansprechen: Es ist jemand da, der ihre Beschwerden ernst nimmt, ihnen seine Zeit und Aufmerksamkeit zur Verfügung stellt und versucht, ihnen zu helfen.
Möglicherweise wird dabei eine innere Selbstheilungsenergie angeregt, ein Umstand, den sich auch z.B. Homöopathen mit der Gabe ihrer Mittel zunutze machen, die nach wissenschaftlichen Erkenntnissen eigentlich keine Wirkung haben können.
Das ist auch bei der Therapie mit Bach-Blüten so: Klinische Studien haben keinerlei pharmakologische Wirkung belegen können. Die Stiftung Warentest (Handbuch “Die andere Medizin”) urteilt entsprechend: “Die Bach-Blütentherapie ist zur Behandlung von Krankheiten nicht geeignet.”
Ähnlich verhält es sich mit Schüssler-Salzen, bei denen die Stiftung Warentest zum gleichen Ergebnis kommt.
Wie kommt es also, dass Menschen viel Geld für solche Verfahren ausgeben? Verspüren sie eine Linderung ihrer Beschwerden? Oder glauben sie nur, eine Linderung zu verspüren?
Bei den Bachblüten, die der Engländer Edward Bach intuitiv (gemäß eigener gefühlsmäßiger Eingebung) ziemlich willkürlich bestimmten Gemütszuständen zugeordnet hat, wird ganz offenkundig eine gewisse Einsicht bei den Patienten vorausgesetzt.
Erfährt man beispielsweise, dass gegen “Kritiksucht, Arroganz, Intoleranz und Verurteilung anderer ohne jedes Einfühlungsvermögen” die Rotbuche eingesetzt wird, können wir eigentlich kaum glauben, dass Menschen mit solchen Eigenschaften das entsprechende Präparat einsichtsvoll einnehmen werden. Dazu sind sie doch eigentlich zu kritisch, arrogant und intolerant.
Oder erfahren sie ihre “Diagnose” gar nicht?
Urteilen Sie selbst, ob Sie das links abgebildete Präparat so ansprechend und überzeugend finden, dass Sie es einnehmen würden. (Anm: Im Heft haben wir eine Flasche “Rescue-Tropfen” abgebildet)
Etwas anders als mit Homöopathie, Bachblüten oder Schüssler-Salzen sieht es mit der Akupunktur aus, die zur traditionellen chinesischen Medizin gehört: Seit Januar 2007 erstatten die gesetzlichen Krankenkassen bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule und der Kniegelenke bei Arthrose im Rahmen eines schmerz-therapeutischen Behandlung die Kosten der Akupunktur.
Bei anderen Erkrankungen ist sie umstritten: Eine Kasse zahlt, eine andere nur nach Auseinandersetzung, eine dritte gar nicht.
Genau das beklagen viele Patient/innen, wenn sie verzweifelt auf der Suche nach Hilfe gegen ihre Beschwerden sind: Manche anerkannte Verfahren helfen ihnen nicht, während sie die als hilfreich empfundenen oft nicht bezahlt bekommen.

Teil 4
“Wann schreibt ihr denn nun endlich über Psychotherapie bei eurem Schwerpunktthema?”
Auf das Thema Psychotherapie gehen wir in dieser Folge ein. Dabei ist Psychotherapie eigentlich keine “alternative Heilmethode”, sondern viele Formen sind wissenschaftlich anerkannt und werden von den Krankenkassen bezahlt.
Es gibt zahlreiche Erkrankungen, bei denen eine begleitende psychotherapeutische Behandlung angebracht ist und auch zum Behandlungsangebot gehört: Zu nennen sind hier neben den psycho-somatischen Krankheiten (Krankheiten, bei denen seelische Ursachen zu körperlichen Symptomen führen) auch die Krankheiten, bei denen die schwere körperliche Symptomatik eine seelische Verarbeitung und Anpassung, meist auch eine Änderung der Lebensführung erfordert – und natürlich seelische Leiden, die auf dem Wege eines inneren Entwicklungs- und Wachstumsprozesses gelindert oder behoben werden können.
Für uns als Selbsthilferedaktion ist es natürlich völlig unmöglich, die gesamte Bandbreite medizinischer Themen überhaupt zu erfassen, geschweige denn, in dem begrenzten Rahmen unseres kleinen Heftes seriös wiederzugeben.
Wir verstehen die Frage am Anfang dieses Beitrages so: “Gibt es für mich persönlich auch noch einen anderen Weg, mit meiner seelischen Krankheit fertig zu werden, als den, den ich mit meiner jetzigen fachärztlichen Behandlung seit Jahren beschreite?” Wir können auch noch die Frage hinein interpretieren, ob es bei psychischer Krankheit Heilung geben kann, oder ob Betroffene sich darauf einstellen müssen, lebenslang als krank zu gelten…
Schwierig, schwierig! Denn viel hängt bei der Bearbeitung dieser Fragen davon ab, wovon die Betroffenen selbst überzeugt sind. Auch, was sie leiden lässt, was ihre Lebenswünsche sind, wie sie sich selbst und die Welt sehen und ob sie glauben, auf ihr Leben einen eigenen entscheidenden Einfluss nehmen zu können.
Wenn wir jetzt über Psychotherapie schreiben, verzichten wir darauf, einzelne Methoden vorzustellen oder gar Empfehlungen abzugeben.
Vielmehr werden wir darauf eingehen, was aus unserer Sicht realistische Erwartungen sein können, die jemand mit einer Psychotherapie verknüpft und was zum Gelingen einer solchen Behandlung unbedingt erforderlich ist.
Wer nach einer psychotherapeutischen Behandlung sucht, sollte sich zuvor unbedingt klar machen, dass dadurch weder die Welt geändert werden kann, noch die Menschen darin.
Auch die eigene Lebensgeschichte lässt sich nicht rückgängig machen, ebenso wenig, wie ein Ausgleich für erlittenes Leid oder Unrecht erzielt werden kann.
Wer Psychotherapie in Anspruch nimmt, kann erwarten, Aufmerksamkeit und Zuwendung zu bekommen, vielleicht auch Verständnis.
Dadurch wir es dann vielleicht möglich, Veränderungen an sich selbst zu erreichen.
Das können zum Beispiel Veränderungen der eigenen Sichtweisen und Einstellungen, Standpunkte und Verhaltensweisen sein, oder eine Erweiterung der eigenen Möglichkeiten, Belastungen zu bewältigen, die das Leben bereit hält.
Wie schon Rio Reiser in seinem Lied “Junimond” singt: “Doch jetzt tut’s nicht mehr weh, nee, jetzt tut’s nicht mehr weh. Alles bleibt still und kein Sturm kommt auf, wenn ich dich seh’…”
Das wird wohl das Ergebnis eines Verarbeitungsprozesses sein, vielleicht einer Psychotherapie.
Die psychotherapeutischen Verfahren, die von den Krankenkassen bezahlt werden, sind überschaubar, ebenso die Zahl der Therapeut/innen. Gerade in einer ländlichen Gegend, wie es der Kreis Plön ist, ist es deshalb mit Mühen und Wartezeiten verbunden, einen Therapieplatz zu finden.
Wichtiger als die Methode, die jemand anbietet, finden wir den persönlichen Kontakt, der zwischen Klient/in und Therapeut/in entsteht. Stimmt die Chemie zwischen beiden? Ist genug Nähe da, aber auch genug Distanz? Können sie miteinander arbeiten?
Erst dann, wenn der Kontakt zwischen beiden gelingt, ist es möglich, eine Beziehung aufzubauen und zu gestalten. Erst, wenn eine verlässliche Beziehung entstanden ist, kann auch Vertrauen wachsen. Und erst durch das Vertrauen kann die Klientin/ der Klient wagen, die eigenen Abgründe anzusehen, die Ängste, die Scham, den Schmerz und so vieles mehr, was die Seele belastet und krank gemacht hat. Und erst dann wird es möglich, dass sie/er beginnt, eine andere Sichtweise oder Einstellung einzunehmen und ein neues Verhalten zu erproben. (Siehe auch Seite 7 in diesem Heft. Anm: Dort gab es einen Erfahrungsbericht über Psychotherapie)
Der Entwicklungs- und Wachstumsprozess, der in einer guten Psychotherapie stattfinden kann, hat Auswirkungen auf die Lebenswirklichkeit der Betroffenen in ihrer Gegenwart und Zukunft. Die Vergangenheit wird nicht verändert, sondern angenommen. Die eigene Lebensgeschichte mit ihren leidvollen Erfahrungen bleibt nicht der ewige Stachel in der Seele, der lebenslang schmerzt, sondern wird Erinnerung, die zum Menschen dazugehört.
Wem ist zu Psychotherapie zu raten?
Wir verzichten an dieser Stelle auf eine Empfehlung. Wesentlich erscheint uns, dass jemand sich klar darüber ist, welche Veränderungen durch Psychotherapie zu erreichen sind.
Bei Menschen mit Psychoseerfahrung schrecken viele Psychotherapeut/innen vor einer Behandlung zurück. Das ist verständlich, denn die Entwicklung, die Klient/innen auf diesem Weg durchlaufen müssen, können sehr anstrengend sein und zu zusätzlichen Belastungen führen.
Eine ausreichende seelische Belastbarkeit ist aber erforderlich, um diese Arbeit auf sich nehmen zu können. Ansonsten kann das Angebot von Psychotherapie “nur” sein, zur seelischen Stabilisierung der Betroffenen beizutragen. Das ist unter Umständen aber auch schon viel und kann dazu beitragen, weniger Medikamente zu brauchen und Lebensbelastungen besser auszuhalten.
In der Psychiatrie sind die Grenzen zwischen der fachärztlichen Behandlung und Psychotherapie fließend. Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist der Nutzen von stützenden Kontakten, Gemeinschaft, Gesprächen und eigenen Selbsthilfeaktivitäten!
Nichts ist belastender, als einsam durch das Leben zu gehen und mit allem ständig allein fertig werden zu müssen!
Mit anderen zu teilen, sich anderen mitzuteilen, ohne dabei die Verantwortung für das eigene Wohl und Wehe aus der Hand zu geben, tut der Seele gut und ist heilsam.
Wenn es dann noch gelingt, wohlwollend und nachsichtig mit eigenen und fremden Fehlern umzugehen, ist an vielen Stellen Behandlung bald gar nicht mehr nötig.
Wir sind alle “nur” Menschen. Doch das ist viel!

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